Geschichte der Gemeinde Lähden

1971 wurde die Gemeinde Lähden aus fünf Orten Ahmsen , Herßum , Holte-Lastrup , Lähden und Vinnen gebildet. Die größte Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Herzlake umfasst 79,88 qkm und hat 4.567 Einwohner.

Vorgeschichtliche Spuren aus der Zeit um 2000 v. Chr. sind die noch heute sichtbaren Zeugen dafür, dass es in der Gemeinde Lähden schon vor rd. 4000 Jahren feste Siedlungsplätze gegeben hat. Hinweis hierfür sind die sog. Hünengräber bei Lähden, Herßum und Lastrup. Diese Großsteingräber, aus Findlingen errichtete weiträumige Totenhäuser, dienten als Grabkammern für ganze Sippen. Zu den vorgeschichtlichen Spuren gehören auch die zahlreichen hier ausgegrabenen Bodenfunde, wie z.B. Urnen, Gerät, Waffen und Schmuck. Hervorzuheben sind die Schmuck-Goldspiralen von Lähden und der Bronzering aus Lastrup mit einem Umfang von 3 Fuß und einem Gewicht von 2 Pfund, der im Jahre 1845 fast unbeschädigt gefunden wurde.

Geographisch gehört die Gemeinde Lähden zum Hümmling, einer sandigen, sanften Hügellandschaft zwischen mittlerer Ems und unterer Hase, die früher mit Steingeröll übersät war. Ausgeführt wurden Steine zum Straßenbau - der Hümmling (Homelinghen, von hömil = kleiner Stein) war ja "steinreich" -, ferner Wolle von den zahlreichen Schafherden, Strümpfe als Fertigware und, als weiteres Produkt der Natur, der Heidehonig. Ahmsen mit seinen gut 300 Einwohnern ist eine alte Bauerschaft, die urkundlich erstmalig im Jahre 1360 erwähnt wurde. 1992 errang die Gemeinde bei dem Kreiswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" den 1. Platz. Bei dem Bezirkswettbewerb 1993 wurden die Bemühungen mit einem Sonderpreis für besondere gemeinschaftliche Leistungen im kulturellen Bereich belohnt. Sehenswert ist die alte Schule Ahmsen, die 1817 als Lehr- und Betschule errichtet wurde und jetzt als Bücherei dient. Sie ist die älteste an ihrem ursprünglichen Standort erhaltene Schule Niedersachsens. Wunderschön gelegen ist das Maristenkloster Ahmsen, das 1922 als Ausbildungshaus für den Ordensnachwuchs gegründet wurde. Seit dem Umbau im Jahre 1982 dient es als "Haus der Begegnung", geboten werden Seminare und dazu ergänzend Freizeitmöglichkeiten. Hierfür stehen u.a. eine Mehrzweckhalle, ein Tennisplatz und eine Kegelbahn zur Verfügung und - viel Natur. Einen Blick wert ist auch die historische Wehr, eine ehemalige Hofumfriedung, die rekonstruiert und wiederhergestellt wurde.

Die Waldbühne Ahmsen führt seit 1949 jährlich ein religiös orientiertes Freilichtspiel auf und bietet seit 1964 Jahr für Jahr auch ein Märchenspiel an. Die Aufführungen finden jährlich von Mai bis September statt. Herßum fand seine erste Erwähnung 1074. In der Ortsmitte befindet sich ein See, die frühere Viehtränke "Teepohl". Sie entstand als Platz zum Graben von besonders hochwertigem Lehm, der für den Hausbau früher unentbehrlich war. 1990 erfolgte durch die Dorfbewohner und den Heimatverein Südhümmling die Renaturierung. Der Glockenturm aus dem Jahre 1904 ist Rest einer nicht mehr vorhandenen Schule. Sehenswert ist ein Wegekreuz Ecke Mittelort/Helmighauser Straße, dessen 1,35 m große Christusfigur der Jöllemannschen Werkstatt zu Beginn des 18. Jahrhunderts zugeschrieben wurde.

Holte erfuhr seine erste frühgeschichtliche Erwähnung im Jahr 947. Im Jahre 1316 wurde in Holte die erste urkundlich nachweisbare Schule des Emslandes eingerichtet. Dort waren ferner die Pfarrkirche des Kirchspiels Holte, der "Sitz" der fürstbischöflich-münsterischen, landesherrlichen Verwaltung (1252-1803), sowie später auch die Bürgermeisterei (1810-1820). Der Herr der "Kurie" und "Freiherrlichkeit" Holte besaß, soweit er dort Eigentum hatte, die niedere und höhere Gerichtsbarkeit. Das Kirchspiel war in gleicher Weise die unterste kirchliche und weltliche Verwaltungseinheit. Einen Teil von dieser zentralörtlichen Bedeutung verlor Holte im Jahre 1820, als aus den bis dahin zugehörigen Bauerschaften selbständige Gemeinden wurden.

Der Zusammenschluss der Gemeinden Holte und Lastrup erfolgte im Jahre 1964. Heute ist Holte-Lastrup ein zentraler Schulstandort mit Schulkindergarten, Grundschule und Hauptschule mit 10. Klasse. Eine Fachklinik, das St.-Josef-Stift, hat sich auf die Behandlung von alkoholabhängigen Männern spezialisiert. Sehenswert ist die St.-Clemens-Kirche in Holte, die erstmals 1276 urkundlich erwähnt wurde. 1525 wurde sie im gotischen Stil umgebaut und ca. 1859 um Joch und Turm erweitert. Hier finden sich bedeutende Zeugnisse sakraler Kunst, wie z.B. ein Sandsteintaufstein aus dem 13. und ein romanisches Holzkreuz aus dem 14. Jahrhundert. Vor allem aber ist die sehr geschlossene, reiche Ausstattung mit barocker Holzschnitzkunst des frühen 18. Jahrhunderts, geschaffen von Thomas Simon Jöllemann und seinem Sohn, bemerkenswert. Zu diesen Meisterwerken emsländischer Bildschnitzkunst gehört auch die lebensgroße "Holter Kreuztracht", auch "Holter Juden" genannt. Holte-Lastrup hat zwei Naturschutzgebiete, nämlich "Tiefes Vehn" und die "Zitterteiche", letzteres ist bereits seit 1936 unter Naturschutz. Der Ortsteil Lähden beging im Jahre 1998 seine 1050-Jahr-Feier. Ältestes Bauwerk ist der Glockenturm in Ostlähden, der um 1700 als Betschule errichtet wurde. Hier befindet sich die Kopie einer Madonna, die wahrscheinlich im 17. Jahrhundert von "Hollandgängern" mitgebracht wurde. Das Original wurde wegen ihres hohen Wertes in der Lähdener Kirche untergebracht. An der Hüvener Straße finden sich Reste eines bedeutenden Steingrabes. An der Berßener Straße erinnern einige Reste an ein Reichsarbeitsdienstlager.

Vinnen wird erstmalig in einer Schenkungsurkunde Kaiser Otto d. Gr. um 1000 genannt. Sehenswert ist die in Vinnen stehende St.-Antonius-Kirche, erbaut 1853 - 1858 durch den Architekten Josef Niehaus aus Haselünne. Der vorhandene Taufstein (Bentheimer Typ) und ein altes Messbuch, dass eigens für Vinnen geschrieben wurde, stammen aus der Zeit von 1430 - 1450. Der Barockaltar, um 1775 geschaffen, stammt aus dem aufgehobenen Franziskanerkloster Aschendorf. Sehenswert ist auch der Hof Korte an der Wachtumer Straße. Das niederdeutsche Zweiständerhaus aus dem 18. Jahrhundert wurde um 1800 aus der Bersenbrücker Gegend nach Vinnen versetzt.

Im Rahmen der Gebietsreform von 1974 entstand die Samtgemeinde Herzlake aus den Mitgliedsgemeinden Dohren, Herzlake und Lähden. Vom späten Mittelalter bis zum Jahre 1820 war dieser Raum verwaltungsmäßig aber nicht dreigeteilt, sondern zweigeteilt. Er bestand aus dem Kirchspiel Herzlake einschließlich Dohren und dem Kirchspiel Holte. Das alte Kirchspiel Holte hat im Zuge der erwähnten Gebiets- und Verwaltungsreform die Bezeichnung "Lähden" erhalten.

Zur Erläuterung sei darauf hingewiesen, dass die beiden Kirchspiele Herzlake und Holte gut 500 Jahre lang nicht nur kirchliche Organisationsformen waren, sondern gleichzeitig auch kommunale Verwaltungseinheiten. Diese administrative Struktur war vorgegeben durch den Landesherrn, den Bischof von Münster, dem u.a. auch das mittlere und nördliche Emsland gehörte. Durch den Wiener Kongreß (1815) fiel dieser Raum an das Königreich Hannover. Und Hannover verfügte dann 1820 die Auflösung der Kirchspiel-Kommunalverbände. Die 14 zugehörigen Bauerschaften wurden selbständige Gemeinden: das war eine Art "Gemeindereform". Diese 14 Ortschaften bilden heute noch die Samtgemeinde Herzlake.

In diesem Raum werden die Siedlungen Holte, Lastrup und Westrum bereits 948 urkundlich zum ersten Mal erwähnt, danach in zeitlicher Folge Dohren, Herzlake und Vinnen (um 1000) sowie Herßum (1076). Für die alten Kirchspiele (Verwaltungseinheiten) Herzlake und Holte sind umfangreiche Steuerregister erhalten aus dem Jahre 1553, die alle Einwohner erfassen, also auch diejenigen, die keine Steuern an die bischöfliche Landesregierung in Münster zu zahlen hatten.

Im Mittelalter schon trug die Siedlung Holte die amtliche Bezeichnung "Curia" (Kurie). Damit wird belegt, dass in Holte Abgaben zu entrichten waren für den Landesherrn oder Grundherrn. In der frühen Neuzeit ist zum ersten Mal die Rede von der "Freiheit Holte". Nachgewiesen ist dieser Status nur für ein ganz kleines Areal mit wenigen Einwohnern der Dorfschaft Holte. Diese unterstanden in bestimmten Fällen nicht der öffentlichen Gerichtsbarkeit, sondern der des Grundherren.

Im Jahre 2005 hat der Ortsteil Lähden den Preiswettbewerb: "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft!" des Landkreises Emsland gewonnen.